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Programm 09-05

 



Güter in Mecklenburg-Vorpommern

Ein kostbares Erbe und seine Chancen

Seminar auf Schloß Neetzow
und ringsum
vom 9. bis 12. Juni 2005
 

Vergebens suchen wir einen Ciceronen zu Gütern und Schlössern in Mecklenburg-Vorpommern. Zwar stellte Fontane „Rotspohn und Onkel Bräsig höher als den ganzen Borussismus“, doch die Sitze der adligen Herren, denen sich zunehmend bürgerliche Besitzer gesellten, lies er abseits seiner Wege in den Norden. Theodor Heuss ging in den zwanziger Jahren mit Stift und Feder auf Herbststreife durch Mecklenburg und sah doch allein Bürgerstädte und Residenzen. Ernst Barlach stromerte durch Feld und Wald rings um Güstrow, nahm den Besitzer des Gutes Bülow als Vorbild zum Blauen Boll, doch seine Bewunderung galt den backsteinernen Domen, „Sehnsuchtssteingespinsten aus Spitzbogenfenstern, gemauerten Linienflüssen, schnellen, schlanken Pfeilerrippen“.

Genauer und volksnah schaute Uwe Johnson hin, in die Gegend um Klütz, das er Jerichow nennt: „Jerichow gehörte der Ritterschaft, deren Güter es umgaben... In diesem Winkel regierte der Adel, Arbeitgeber, Bürgermeister, Gerichtsherr über seine Tagelöhner... Die Ritterschaft kaufte in Jerichow Ersatzteile für ihre Maschinen, sie benutzte die Verwaltung, die Polizei, die Rechtsanwälte, Papenbrocks Speicher... In der Erntezeit, wenn der Weg nach Ratzeburg oder Schwerin zu weit war, fuhren die Herren abends zum Lübecker Hof und spielten Karten an ihrem eigenen Tisch, gewichtige, leutselige, dröhnende Männer, die sich in ihrem Plattdeutsch suhlten.“

Abseits der großen Straßen, doch allerorten in Mecklenburg-Vorpommern bestimmen die Güter jener Herren das Bild der Dörfer und der Landschaft, mit oft auftrumpfenden Schlössern und Herrenhäusern, weiten Parks, imposanten Wirtschaftsgebäuden. Zu verdanken haben wir diesen Reichtum überwiegend den Gewinnen, die die Gutsbesitzer aus der Landwirtschaft schöpften.

Nach mehr als vierzig Jahren sozialistischer Umwälzung ist das landwirtschaftliche Fundament der Güter in der Regel verloren. Die Eigentümer von heute, die seltener die Herren von gestern sind, müssen neue Wege gehen, wollen sie Gebäude und Parks erhalten, deren Wert als kulturgeschichtliche und landschaftsprägende Zeugnisse heute kaum noch umstritten ist.

Wir laden Sie wie schon in den vergangenen Jahren ein, mit uns quer durch Mecklenburg-Vorpommern Schicksale verfallender Güter zu erfahren, Visionen der Gutsherren von heute zu hören und Nutzungen neu belebter Güter zu erleben.

       Dr. Dietmar Albrecht              Torsten Ode                    Dr. Christian Pletzing
 
          Academia Baltica           Vorbereitung und Leitung                 Akademieleiter
 

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Als Hinweise seien genannt die Landkarte 1:250.000 „Sehenswürdigkeiten entlang der Alleen in Mecklenburg-Vorpommern“, der Band „Mecklenburg-Pommern“, hg. von Helge bei der Wieden, in der Reihe „Handbuch der historischen Stätten Deutschlands“, Stuttgart: Kröner, 1996, und der Band „Mecklenburg-Vorpommern“, bearbeitet von Hans-Christian Feldmann, in der Reihe Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, München und Berlin: Deutscher Kunstverlag, 2000.


 

Programm
 

Donnerstag, 9. Juni 2005                Dargun
Um 12.30 Uhr Abfahrt am Hauptbahnhof Lübeck, Halt für Reisebusse Beim Retteich (aus dem Bahnhof 200 m nach rechts). Fahrt durch das frühsommerliche Mecklenburg, vorbei an den alten Hansestädten Wismar und Rostock, nach Dargun. Besichtigung der Kloster- und Schloßruine .16.30 Uhr Weiterfahrt über Demmin zum Gut Neetzow unweit der Peene. 17.30 Uhr Quartier im „Schloßhotel Neetzow“, Dorfstraße 45, 17391 Neetzow, Tel. 039721-5660. 18.30 Uhr Abendessen im Hotelrestaurant. Im Anschluß Parkspaziergang mit Dr. Neidhard Krauß.

Freitag, 10. Juni 2005             Schwedisches Erbe
Um 9 Uhr Fahrt von Neetzow der Ostsee entgegen nach Ludwigsburg, unmittelbar vor den Toren von Greifswald gelegen. Führung durch das Renaissanceschloß und Einblicke in die Kräutermanufaktur. Um 12.00 Uhr Mittagsrast in der Hansestadt Greifswald. Nach Tisch weiter westwärts zum Barockschloß Griebenow. Besichtigung von Schloß, Park und Kapelle. Anschließend Fahrt nach Nehringen an der Trebel, dem historischen Grenzfluß zwischen Mecklenburg und Vorpommern. Besuch des gänzlich erhaltenen Gutsensembles und der barocken Kirche. Rückfahrt und Quartier in Neetzow. 19 Uhr Abendessen im Hotelrestaurant. Anschließend abendliche Lesung mit Dr. Dietmar Albrecht.

Samstag, 11. Juni 2005   Rund um Neubrandenburg
Um 9 Uhr Fahrt südwärts entlang der Tollense zum Gut Gützkow. Führung über das barocke Ensemble mit Helmuth Freiherr von Maltzahn (angefragt). Gegen 12.30 Uhr Mittagsrast im Kunstschloß Wrodow. Weiter nach Hohenzieritz, Sterbeort der Königin Luise von Preußen. Führung durch die Luisengedenkstätte im Schloß und kleiner Parkspaziergang. Um 17.00 Uhr Besuch auf dem Weingut Rattey unweit der Brohmer Berge. Führung durch den Weingarten des nördlichsten  Weinanbaugebietes Deutschlands. Anschließend Weinprobe im Schloß. Rückkehr und Quartier in Neetzow. Abendliche Nachlese.

Sonntag, 12. Juni 2005             Abenteuer 1900
Um 9 Uhr Fahrt westwärts ins mittlere Mecklenburg zum Gutshaus Belitz. Im Ambiente des Jahres 1900 wollen wir erfahren, wie es sich auf einem Gut zu Beginn des letzten Jahrhunderts lebte. 12.30 Uhr Mittagsrast auf dem Thünengut Tellow. Gegen 16.30 Uhr Ankunft am Hauptbahnhof Lübeck.




Die Academia Baltica
Concordia domi foris pax- Eintracht im Innern und Friede im Äußern. Der Mahnung verpflichtet, die vom Holstentor die Gäste Lübecks grüßt, arbeitet die Academia Baltica im Netzwerk der Völker und Staaten Mitteleuropas und des Ostseeraumes, in guter Tradition und mit neuer Kraft. Die Akademie hat ihren Sitz im Hoghehus am Koberg, im wohl ältesten Steinbau Lübecks aus der Zeit um 1200, einst Sitz des Landvogts als Vertreter des Kaisers im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Ein paar Schritte weiter steht das Haus der „Buddenbrooks”, Gedenkort der Brüder Heinrich und Thomas Mann, dichtbei das künftige Zentrum für Willy Brandt und wiederum um die Ecke das Haus für Günter Grass, des dritten der Lübecker Nobelpreisträger. Ihnen benachbart leistet die Academia Baltica ihren Beitrag zur Begegnung der Menschen und zu neuem europäischen Miteinander.

Der Förderverein der Academia Baltica
Die Bundesregierung und das Land Schleswig-Holstein fördern die Arbeit der  Academia Baltica. Private Initiative muß die Hilfe von Bund und Land ergänzen. Wer die Arbeit der Akademie unterstützen will, kann Mitglied werden im Verein zur Förderung der Academia Baltica. Der Mindestbeitrag beträgt 60 € im Jahr. Beiträge und Spenden sind abzugsfähig.
                                                                                          
Teilnahme
Die Gebühr für die Teilnahme beträgt 365 €. Im Preis enthalten sind die Kosten für die Übernachtung in Doppelzimmern mit Dusche/WC, Vollpension, die Reise im Bus von und bis Lübeck, die Tagungsleitung und alle Eintritte und Führungen wie im Programm ausgedruckt. Der Zuschlag für ein Einzelzimmer beträgt 25 €. Bitte vermerken Sie auf Ihrer Anmeldung den Wunsch nach einem Einzelzimmer oder Ihren Partner/Ihre Partnerin im Doppelzimmer. Anmeldeschluß ist der 15. April 2005. Erfolgt eine Abmeldung später als vier Tage vor Beginn der Tagung oder erscheint der Teilnehmer nicht, müssen wir dem Teilnehmer den Tagungsbeitrag berechnen. Unsere Tagungsnummer ist 9-05.
                                                                                          

Titelbild
Schloß Tützpatz, Barockbau von 1779 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gut Gützkow. Aus: Georg Piltz, Kunstführer durch die DDR. Leipzig, 1973, S.94.

Academia Baltica
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